Überholen des Bremssattels/Bremsankers/Bremszange
In Reparaturanleitungen
wird der Begriff "Bremssattel/Bremszange" und im Werkstatthandbuch wird der
Begriff "Bremsanker" verwendet. Soweit ich sehen kann, bezeichnen
sie das Gleiche. Ich verwende den Begriff "Bremssattel". |
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| Anforderungsniveau: |
eher einfach |
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| Werkzeug usw.: |
Ringschlüsselsatz / Steckschlüsselkasten, Drehmomentschlüssel, Durchschläger (4mm), Dichtungsschaber, Schraubendreher, Ahle/Reißnadel |
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Hilfsmittel und sonstiges: |
1 Bremssattel-Reparatursatz, Dichtringe für Hohlschraube ,
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Tipp: Bremssättel einzeln abbauen und instandsetzen, um keine Teile miteinander zu verwechseln. Die Maschine sollte auf dem Hauptständer stehen, weitere Maßnahmen sind nicht erforderlich. Bequemer ist natürlich immer eine Hebebühne. Es geht los: Zunächst ein Gefäß unterstellen, um die Bremsflüssigkeit aufzufangen, z.B. einen großen Plastikbecher. Dann die Hohlschraube, die den Bremsschlauch mit dem Bremssattel verbindet, lösen. (SW 14) Bremsflüssigkeit aus dem Schlauch ablaufen lassen. Bremsflüssigkeit als Sondermüll entsorgen. Bremsflüssigkeit greift Lack an! |
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| Die Halteschrauben (2) und (4), die den Bremssattel am Gabelbein halten, lösen (SW 14), ebenso die Bremssattelschrauben (1) und (5) lockern, die den eigentlichen Bremssattel auf dem Bügel festhalten. (1) hat (SW 14), (5) hat (SW 12). Und schließlich noch die Halteschraube des Sicherungsblechs(8, SW10). Damit spart man sich, den Bremssattel später im Schraubstock fixieren zu müssen. Am linken Bremssattel muss außerdem die Schraube herausgedreht werden, die den Drahtbügel für die Tachowelle hält (SW 10) - nicht im Bild zu sehen. |
1 = Bremssattelschraube SW 14
(Gewinde im Bremssattel) 2 = Halteschraube SW 14 3 = Bremssattelbügel 4 = Halteschraube SW 14 5 = Bremssattelschraube SW 12 (Gewinde im Bremssattelbügel) 6 = Belagstifte 7 = Hohlschraube SW14 8 = Halteschraube des Sicherungsblechs SW10 9 = Entlüftungsschraube SW10 |
![]() Bild 1: Bremssattel komplett |
Dann die Halteschrauben (2) und (4) ganz herausdrehen. Den Bremssattel jetzt abheben und die restliche Bremsflüssigkeit herauslaufen lassen.
Bremssattel zerlegen: Die beiden zuvor bereits gelockerten Bremssattelschrauben (1) und (5) ganz herausdrehen. (1) ist mit dem Bremssattel selbst verschraubt und steckt als Stift in einem Sackloch im Bremssattelbügel. (2) ist dagegen im Bügel verschraubt und gleitet in der Bremssattelhülse. Die Staubmanschetten der Hülse bzw. der Bremsattelschraube (1) entfernen, Hülse herausnehmen.
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| Anschließend ist der
Bremssattelbügel frei und kann abgenommen werden. An der
Anschlagfläche liegt ein kleines Blech, das abgenommen
wird. (s. Bild 4a) Die Halteschraube des Sicherungsblechs jetzt ganz herausdrehen. Nun werden die Bremsbelagstifte mit Hilfe eines Durchschlägers ausgetrieben. Der Bremssattel sollte fest und sicher liegen.
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![]() Bild 2: Bremssattelbügel |
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| Hier in Bild 3 sind die demontierten Schrauben zu sehen - die Nummer sind weiter oben beschrieben. Bremskolben herausdrücken: Wenn deine Bremse so "verwarzt" ist, wie meine, dann lassen sich die Kolben von Hand nicht mehr bewegen - schon gar nicht nach außen. Sie müssen mit Druckluft herausgestoßen werden. Da es sich um Doppelkolben handelt, muss man dabei darauf achten, dass nicht ein Kolben allein herausfliegt.- dann kann man den anderen nämlich nicht mehr unter Druck setzen. Ich habe zunächst die beiden alten Bremsbeläge vor die Kolben gelegt. Dann mit der Ausblaspistole in die Öffnung für die Hohlschraube (7) hineinblasen. Falls die Kolben sehr fest sitzen, kann eine Abdichtung z.B. durch Umwickeln der Pistolenspitze mit Tesaband sinnvoll sein. |
Bild 3: Schrauben |
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| Normalerweise wird sich ein Kolben
zuerst bewegen. Wenn er an den Belägen anstößt, kommt
nach kurzer Zeit und einigen weiteren Stößen Druckluft dann
auch der zweite Kolben in Bewegung. Sind beide Kolben
gleichmäßig weit herausgekommen, nimmt man einen Bremsbelag
weg und hat nun wieder etwas Spiel um die Kolben weiter heraus
zudrücken. Schließlich werden die Kolben nur noch gegen ein
dünnes Blech von ca 1-2mm Stärke gedrückt. Dann
können sie vorsichtig mit der Hand aus den Bremszylindern
herausgenommen werden. Achtung: Druckluft zunächst vorsichtig und stoßweise einblasen. Immer einen Bremsbelag oder etwas ähnliches einlegen, sonst könnte der Kolben quer durch die Werkstatt schießen. Verletzungsgefahr! |
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| Die Staubdichtungen und Kolbendichtringe können sehr gut mit einer Ahle
oder Reißnadel herausgeholt werden. Hilfsweise tut es auch ein kleiner
Schraubendreher. Dabei die Innenseiten und Ränder der Bremszylinder
nicht verkratzen! Die Dichtungen kommen sowieso auf den Müll. Jetzt muss der Bremssattel und alle seine Teile gereinigt werden. In meinem befand sich etwas Schlamm. Je nach Verschmutzung /Korrosion können verschiedene Mittel erforderlich sein. Bremsenreiniger in Kombination mit Borstenpinsel und Zahnbürste hat sich bewährt, aber auch das bekannte rote Fahrradreinigungsöl (Atlantic?). Ich habe einige Flächen mit Schaber, Schleifpapier und Stahlwolle vom angebackenen Bremsstaub befreit und das Aluminiumoxid entfernt. Die Hülse von Schraube (5) hatte leichte Rostspuren, hier half die rotierende Drahtbürste, anschließend habe ich die Oberfläche mit der Polierscheibe auf Hochglanz gebracht. Auch der Sitz der Hülse wurde leicht bearbeitet mit etwas feinem Schleifpapier , das ich um einen Bleistift gewickelt habe. Zum Schluss alles gründlich von Staub befreien. |
![]() Bild 4: Bremssattel leer und gereinigt |
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| Vor allem die Dichtungssitze
habe ich sorgfältig mit kleinen Schabern ausgekratzt. Die Schaber
habe ich aus stärkerem Draht selbst gefertigt, um überall gut
ankommen zu können. Z.T. konnte ich auch die Ahle/Reißnadel
verwenden. Die Bohrungen kontrollieren! Belagfeder, Anschlagblech und die Belagstifte sowie das Sicherungsblech waren ebenfalls mit einer verhärteten Schicht Bremsstaub überzogen, die teilweise mechanisch entfernt werden musste. Auch diese Teile wurden mit der Polierscheibe wieder fit gemacht. Wer möchte, kann danach die Bremssättel auch mit geeignetem Lack äußerlich in Topform bringen. |
![]() Bild 4a: Belagfeder, Anschlagblech, Stifte
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| Die Bremskolben
sorgfältig prüfen. Meine waren zwar stark mit Bremsstaub
belegt, hatten aber nur schwache Rostpunkte ganz am äußeren
Rand (linker Kolben auf Bild 5). Nach der "Kur" mit diversen
Reinigungsmitteln und Polieren an der Schwabbelscheibe sahen sie noch
gut aus. Darum habe ich sie nicht ausgetauscht. Bei Rostpickeln im
Arbeitsbereich der Kolbendichtung muss aber auf jeden Fall der Kolben
ausgetauscht werden, sonst fängst du nach kurzer Zeit wieder von
vorn an! |
![]() Bild 5: Bremskolben
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| Der Bremssattel-Reparatursatz (Bild 6) enthält die notwendigen Dichtungen für beide Bremssättel, also das Doppelte der in Bild 7 abgebildeten Dichtungen. Außerdem enthält das weiße Döschen eine ausreichende Menge Silikonfett. | ![]() Bild 6: Bremssattel-Reparatursatz
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| Zum Einsetzen der Dichtungen wird - je nach Reparaturanleitung - empfohlen, die Dichtungen entweder mit Silikonfett oder mit Bremsflüssigkeit zu bestreichen. Ich habe mich beim Zusammenbau für das weniger aggressive Silikonfett entschieden. Das kann man auch gut mit dem Finger überall hin streichen. Zusätzlich habe ich Silikonspray benutzt. |
A = 2 Staubdichtungen
B = 2 Kolbendichtringe C = 2 Gummimanschetten für Hülse D = Gummimanschette für Bremssattelschraube(1) E = Schutzkappe für Entlüftungsschraube |
![]() Bild 7: Dichtungen für einen Bremssattel
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| Die Staubdichtungen(A) und die Kolbendichtringe(B) werden dann in ihre Sitze eingeführt und nochmals mit Silikon befeuchtet. (s. Bild 8) | ![]() Bild 8: Staubdichtung und Kolbendichtring
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| Die Kolben
habe ich in eine kleine, ca. 1cm hoch mit Bremsflüssigkeit
gefüllte Schale gestellt. Dann in die Bremszylinder
einführen, ohne zu verkanten. Mit sanftem Druck beider Daumen wird
der Widerstand der Dichtungen übewunden und der Kolben gleitet in
den Zylinder. Anschließend mit dem zweiten Kolben die Prozedur
wiederholen. Das Ergebnis sollte so aussehen wie in Bild 9. Achtung: In der Bucheli-Rep.-Anleitung Nr.5101 steht: "Kolben mit schalenförmiger Seite auf Bremsklotz gerichtet einbauen." Das ist falsch - bzw. lausig übersetzt. Im WHB steht deutsch: ""... Kolben mit dem gewölbten Ende zur Bremsklotzseite weisend einsetzen." Der englische Text lautet " ... install the piston with the dished end facing to the brake pad side." - 'dished end' heißt aber auch 'Napfende', also so etwas wie Topf. |
![]() Bild 9: eingebaute Kolben
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| Auf jeden Fall muss natürlich die geschlossene Seite des Kolbens in den Zylinder eingeführt werden, die offene Seite drückt dann gegen die Bremsbeläge (s. Bild 9). | ||
| Um die Gummimanschetten (C) und die Hülse von Schraube (5) einzubauen, zunächst eine sorgfältig geschmierte Manschette in die Nuten des Bremssattels einsetzen. Dann die Hülse unter Zugabe von Silikonfett/Spray von der Seite her einführen, wo noch keine Manschette sitzt. Die Hülse vorsichtig durchdrücken, dabei darauf achten, dass die Manschette nicht aus der Nut im Bremssattel herausgedrückt wird. Hülse dann auf der gegenüberliegendesn Seite soweit aus der Manschette herausdrücken, dass die andere Nut im Bremssattel gut zugänglich ist. Nun kann die zweite Manschette in den Sattel eingebaut werden. Die Hülse wird anschliesend soweit zurück gedrückt, dass die Nuten der Hülse auf beiden Seiten die Gummimanschetten aufnehmen können. Die Hülse muss sich bei leichtem Druck ein wenig nach links und rechts verschieben lassen. Es sollte so aussehen wie in Bild 10. | ![]() Bild 10: Hülse mit Gummimanschetten
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| Belagfeder einsetzen. Jetzt könne neue Bremsbeläge eingebaut werden. Dazu die Stifte von der Bremszylinderseite her in den Sattel einführen. Die Beläge einsetzen und mit der Hand gegen die Feder drücken, bis sich die Stifte weiter einschieben lassen. Bei mir musste ich mit leichten Hammerschlägen nachhelfen. Das Sicherungsblech auf der gegenüberliegenden Seite ansetzen und unter zugabe von flüssiger Schraubensicherung festschrauben. (ca. 10 Nm) | ||
| Bremssattelbügel (s. Bild 2) anbauen: Gummimanschette(D)
für Bremssattelschraube (1) gründlich fetten und in die
Nut im Bremssattelbügel einsetzen. Das Sackloch mit
Silikonspray oder -fett behandeln. Die Bremssattelschraube(1) in
das entsprechende Gewinde eindrehen. Anschließend den Stift von
Schraube (1) in das Sackloch des Bügels einführen. Dabei auf
den richtigen Sitz der Gummimanschette (D) achten. Bei mir ging
das ganz leicht, sie rutschte beim Einführen in die richtige
Position. Durch Verdrehen den Bügel in die richtige Lage bringen,
bis die Bremssattelschraube(5) durch die Hülse hindurch mit dem Bügel verschraubt werden kann. Drehmoment für die Beremssattelschrauben ist 25 - 30 Nm. |
![]() Bild 11: Bremssattel nach der Montage
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| Den montierten Bremssattel am Gabelrohr mit den Halteschrauben
(2) und (4) anbringen . Anschließend mit Hilfe eines
Drehmomentschlüssels die Halteschrauben (2) und (4) auf
25-30 Nm anziehen. Die Bremssattelschrauben (1) und (5) sollen mit
30-40 Nm Drehmoment angezogen werden. Bremsschlauch mit der Hohlschraube (7) und zwei neuen Dichtringen anschließen. Nachdem auch der andere Bremssattel entsprechend instandgesetzt wurde, Bremssystem mit Hydraulikflüssigkeit befüllen und entlüften. |
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