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Überholen des Bremssattels/Bremsankers/Bremszange
Doppekolbenbremse von CX500 B ('82), ähnlich CX 500 Euro, GL500

In Reparaturanleitungen wird der Begriff "Bremssattel/Bremszange" und im Werkstatthandbuch wird der Begriff  "Bremsanker"   verwendet. Soweit ich sehen kann, bezeichnen sie das Gleiche. Ich verwende den Begriff "Bremssattel".

Ein Wort vorweg: Arbeiten an der Bremse müssen sachgerecht und sehr sorgfältig ausgeführt werden. Die Bremse ist kein geeignetes Übungsobjekt für Anfänger im Schrauben. Dann lieber jemanden fragen, der sich damit auskennt....
Anforderungsniveau:

eher einfach

Werkzeug usw.: 

Ringschlüsselsatz / Steckschlüsselkasten, Drehmomentschlüssel, Durchschläger (4mm),  Dichtungsschaber, Schraubendreher, Ahle/Reißnadel

Hilfsmittel und sonstiges:

 

1 Bremssattel-Reparatursatz, Dichtringe für Hohlschraube , 
(ggf. 4 neue Bremskolben)
Druckluft, Drahtbürsten/Polierscheiben,  feines Schleifpapier, Stahlwolle, Borstenpinsel, (Zahn-)Bürsten, Auffanggefäß für Bremsflüssigkeit, Bremsenreiniger, flüssige Schraubensicherung, Silikonspray,Silikonfett, Bremsflüssigkeit, Reinigungsmittel, Blechstreifen ca. 1mm Stärke und natürlich Lappen...

Tipp: Bremssättel einzeln abbauen und instandsetzen, um keine Teile miteinander zu verwechseln.

Die Maschine sollte auf dem Hauptständer stehen, weitere Maßnahmen sind nicht erforderlich. Bequemer ist natürlich immer eine Hebebühne.

Es geht los:
Zunächst ein Gefäß unterstellen, um die Bremsflüssigkeit aufzufangen, z.B. einen großen Plastikbecher. Dann die Hohlschraube, die den Bremsschlauch mit dem  Bremssattel verbindet, lösen. (SW 14)  Bremsflüssigkeit aus dem Schlauch ablaufen lassen. Bremsflüssigkeit als Sondermüll entsorgen. Bremsflüssigkeit greift Lack an!
Die  Halteschrauben (2) und (4), die den Bremssattel am Gabelbein halten, lösen (SW 14), ebenso die Bremssattelschrauben (1) und (5) lockern, die den eigentlichen Bremssattel auf dem Bügel  festhalten. (1) hat (SW 14), (5) hat (SW 12).  Und schließlich noch die Halteschraube des Sicherungsblechs(8, SW10). Damit spart man sich, den Bremssattel später im Schraubstock fixieren zu müssen. Am linken Bremssattel muss außerdem die Schraube herausgedreht werden, die den Drahtbügel für die Tachowelle hält (SW 10) - nicht im Bild zu sehen.
1 = Bremssattelschraube SW 14
(Gewinde im Bremssattel)
2 = Halteschraube SW 14
3 = Bremssattelbügel
4 = Halteschraube SW 14
5 = Bremssattelschraube SW 12
(Gewinde im Bremssattelbügel)
6 = Belagstifte
7 = Hohlschraube SW14
8 = Halteschraube des Sicherungsblechs SW10
9 = Entlüftungsschraube SW10
bremssattel_komplett.jpg










Bild 1:  Bremssattel komplett 

Dann die Halteschrauben (2) und (4) ganz herausdrehen. Den Bremssattel jetzt abheben und die restliche Bremsflüssigkeit herauslaufen lassen. 
  • In meinem Fall waren die Beläge etwas auf der Scheibe eingelaufen. Ich musste den Sattel mehrfach auf der Scheibe hin- und herbewegen, bis er ganz frei war.  In hartnäckigen Fällen kann man versuchen, die Beläge mit einem Schraubenzieher auseinanderzudrücken. Natürlich nicht gegen die Bremsscheibe hebeln!

Bremssattel zerlegen:
Die beiden zuvor bereits gelockerten Bremssattelschrauben (1) und (5) ganz herausdrehen. (1) ist mit dem Bremssattel selbst verschraubt und steckt als Stift in einem Sackloch im Bremssattelbügel. (2) ist dagegen im Bügel verschraubt und gleitet in der Bremssattelhülse.

Die Staubmanschetten der Hülse bzw. der Bremsattelschraube (1) entfernen, Hülse herausnehmen.
  • Bei mir war die Hülse mit einer Mischung aus fett und Bremsstaub "angebacken" und musste mit leichten Schlägen ausgetrieben werden. Dabei ist ein Holzstück am Besten, um nichts zu beschädigen.  
Anschließend ist der Bremssattelbügel frei und kann abgenommen werden.  An der Anschlagfläche liegt ein kleines Blech, das abgenommen wird.  (s. Bild 4a)

Die Halteschraube des Sicherungsblechs jetzt ganz herausdrehen. Nun werden die Bremsbelagstifte mit Hilfe eines Durchschlägers ausgetrieben. Der Bremssattel sollte fest und sicher liegen.
  • In meiner Reperaturanleitung steht:  "Zwei Bremsbelag-Haltestifte mit der Zange herausziehen."   Das funktioniert vielleicht bei ladenneuen Motorrädern, aber nicht bei Güllepumpen, die seit über zwanzig Jahren auf der Straße sind! Also: Gefühlvoll mit dem Durchschläger herangehen.
Die Bremsbeläge herausnehmen, darunter sitzt noch ein Blech, die Belagfeder - ebenfalls herausnehmen.
Bremssattelbügel










Bild 2: Bremssattelbügel

Hier in Bild 3 sind die demontierten Schrauben zu sehen - die Nummer sind weiter oben beschrieben.

Bremskolben herausdrücken:
Wenn deine Bremse so "verwarzt" ist, wie meine, dann lassen sich die Kolben von Hand nicht mehr bewegen - schon gar nicht nach außen. Sie müssen mit Druckluft herausgestoßen werden. Da es sich um Doppelkolben handelt, muss man dabei darauf achten, dass nicht ein Kolben allein herausfliegt.- dann kann man den anderen nämlich nicht mehr unter Druck setzen. Ich habe zunächst die beiden alten Bremsbeläge vor die Kolben gelegt. Dann mit der Ausblaspistole in die Öffnung für die Hohlschraube (7) hineinblasen. Falls die Kolben sehr fest sitzen, kann eine Abdichtung z.B. durch Umwickeln der Pistolenspitze mit Tesaband sinnvoll sein. 
SchraubenBild 3: Schrauben
Normalerweise wird sich ein Kolben zuerst bewegen. Wenn er an den Belägen anstößt, kommt nach kurzer Zeit und einigen weiteren Stößen Druckluft dann auch der zweite Kolben in Bewegung.  Sind beide Kolben gleichmäßig weit herausgekommen, nimmt man einen Bremsbelag weg und hat nun wieder etwas Spiel um die Kolben weiter heraus zudrücken. Schließlich werden die Kolben nur noch gegen ein dünnes Blech von ca 1-2mm Stärke gedrückt. Dann können sie vorsichtig mit der Hand aus den Bremszylindern herausgenommen werden.

Achtung: Druckluft zunächst vorsichtig und stoßweise einblasen. Immer einen Bremsbelag oder etwas ähnliches einlegen, sonst könnte der Kolben quer durch die Werkstatt schießen.  Verletzungsgefahr!
Die Staubdichtungen und Kolbendichtringe können sehr gut mit einer Ahle oder Reißnadel herausgeholt werden. Hilfsweise tut es auch ein kleiner Schraubendreher. Dabei die Innenseiten und Ränder der Bremszylinder nicht verkratzen! Die Dichtungen kommen sowieso auf den Müll.

Jetzt muss der Bremssattel und alle seine Teile gereinigt werden. In meinem befand sich etwas Schlamm.  Je nach Verschmutzung /Korrosion  können verschiedene Mittel erforderlich sein. Bremsenreiniger in Kombination mit Borstenpinsel und Zahnbürste hat sich bewährt, aber auch das bekannte rote Fahrradreinigungsöl (Atlantic?). Ich habe einige Flächen mit Schaber, Schleifpapier und Stahlwolle vom angebackenen  Bremsstaub befreit und das Aluminiumoxid entfernt. Die Hülse von Schraube (5) hatte leichte Rostspuren, hier half die rotierende Drahtbürste, anschließend habe ich die Oberfläche mit der Polierscheibe auf Hochglanz gebracht. Auch der Sitz der Hülse wurde leicht bearbeitet mit etwas feinem Schleifpapier , das ich um einen Bleistift gewickelt habe. Zum Schluss alles gründlich von Staub befreien.
Bremssattel leer und gereinigt










Bild 4: Bremssattel leer und gereinigt
Vor allem die Dichtungssitze habe ich sorgfältig mit kleinen Schabern ausgekratzt. Die Schaber habe ich aus stärkerem Draht selbst gefertigt, um überall gut ankommen zu können. Z.T. konnte ich auch die Ahle/Reißnadel verwenden. Die Bohrungen kontrollieren!

Belagfeder, Anschlagblech und die Belagstifte sowie das Sicherungsblech waren ebenfalls mit einer verhärteten Schicht Bremsstaub überzogen, die teilweise mechanisch entfernt werden musste. Auch diese Teile wurden mit der Polierscheibe wieder fit gemacht.

Wer möchte, kann danach die Bremssättel auch mit geeignetem Lack äußerlich in Topform bringen.
Belagfeder, Anschlagblech, Belagstifte







Bild  4a: Belagfeder, Anschlagblech, Stifte
Die Bremskolben sorgfältig prüfen. Meine waren zwar stark mit Bremsstaub belegt, hatten aber nur schwache Rostpunkte ganz am äußeren Rand (linker Kolben auf Bild 5).  Nach der "Kur" mit diversen Reinigungsmitteln und Polieren an der Schwabbelscheibe sahen sie noch gut aus. Darum habe ich sie nicht ausgetauscht. Bei Rostpickeln im Arbeitsbereich der Kolbendichtung muss aber auf jeden Fall der Kolben ausgetauscht werden, sonst fängst du nach kurzer Zeit wieder von vorn an!

Bremskolben










Bild 5: Bremskolben
Der Bremssattel-Reparatursatz (Bild 6) enthält die notwendigen Dichtungen für beide Bremssättel, also das Doppelte der in Bild 7 abgebildeten Dichtungen. Außerdem enthält das weiße Döschen eine ausreichende Menge Silikonfett. CALIPER REPAIR KIT









Bild 6: Bremssattel-Reparatursatz
Zum Einsetzen der Dichtungen wird - je nach Reparaturanleitung - empfohlen, die Dichtungen entweder mit Silikonfett oder mit Bremsflüssigkeit zu bestreichen. Ich habe mich beim Zusammenbau für das weniger aggressive Silikonfett entschieden. Das kann man auch gut mit dem Finger überall hin streichen. Zusätzlich habe ich Silikonspray benutzt.
A =  2 Staubdichtungen
B =  2 Kolbendichtringe
C =  2 Gummimanschetten
        für   Hülse
D =  Gummimanschette für                          Bremssattelschraube(1)
E =  Schutzkappe für                                   Entlüftungsschraube
Dichtungen










Bild 7: Dichtungen für einen Bremssattel
Die Staubdichtungen(A) und die Kolbendichtringe(B)  werden dann in ihre Sitze eingeführt und nochmals mit Silikon befeuchtet. (s. Bild 8) Dichtungen eingesetzt










Bild 8: Staubdichtung und Kolbendichtring 
Die Kolben habe ich in eine kleine, ca. 1cm hoch mit Bremsflüssigkeit gefüllte Schale gestellt. Dann in die Bremszylinder einführen, ohne zu verkanten. Mit sanftem Druck beider Daumen wird der Widerstand der Dichtungen übewunden und der Kolben gleitet in den Zylinder. Anschließend mit dem zweiten Kolben die Prozedur wiederholen. Das Ergebnis sollte so aussehen wie in Bild 9.

Achtung: In der Bucheli-Rep.-Anleitung Nr.5101 steht: "Kolben mit schalenförmiger Seite auf Bremsklotz gerichtet einbauen."  Das ist falsch - bzw. lausig übersetzt.
Im WHB steht deutsch: ""... Kolben mit dem gewölbten Ende zur Bremsklotzseite weisend einsetzen."
Der englische Text lautet " ... install the piston with the dished end facing to the brake pad side."  - 'dished end' heißt aber auch 'Napfende', also so etwas wie Topf. 
eingebaute Kolben










Bild 9: eingebaute Kolben
Auf jeden Fall muss natürlich die geschlossene Seite des Kolbens in den Zylinder eingeführt werden, die offene Seite drückt dann gegen die Bremsbeläge (s. Bild 9).
Um die Gummimanschetten  (C) und die Hülse von Schraube (5) einzubauen, zunächst eine sorgfältig geschmierte Manschette in  die Nuten des Bremssattels einsetzen. Dann die Hülse unter Zugabe von Silikonfett/Spray von der Seite her einführen, wo noch keine Manschette sitzt. Die Hülse vorsichtig durchdrücken, dabei darauf achten, dass die Manschette nicht aus der Nut im Bremssattel herausgedrückt wird. Hülse dann auf der gegenüberliegendesn Seite soweit aus der Manschette herausdrücken, dass die andere Nut im Bremssattel  gut zugänglich ist. Nun kann die zweite Manschette in den Sattel eingebaut werden. Die Hülse wird anschliesend soweit zurück gedrückt, dass die Nuten der Hülse auf beiden Seiten die Gummimanschetten aufnehmen können. Die Hülse muss sich bei leichtem Druck ein wenig nach links und rechts verschieben lassen. Es sollte so aussehen wie in Bild 10. Hülse eingebaut










Bild 10: Hülse mit Gummimanschetten
Belagfeder einsetzen. Jetzt könne neue Bremsbeläge eingebaut werden.  Dazu die Stifte von der Bremszylinderseite her in den Sattel einführen. Die Beläge einsetzen und mit der Hand gegen die Feder drücken, bis sich die Stifte weiter einschieben lassen. Bei mir musste  ich mit  leichten Hammerschlägen nachhelfen. Das Sicherungsblech auf der gegenüberliegenden Seite ansetzen und unter zugabe von flüssiger Schraubensicherung festschrauben.  (ca. 10 Nm)
Bremssattelbügel (s. Bild 2)  anbauen:  Gummimanschette(D) für Bremssattelschraube (1) gründlich fetten und in die Nut im Bremssattelbügel einsetzen. Das Sackloch mit Silikonspray oder  -fett behandeln. Die  Bremssattelschraube(1) in das entsprechende Gewinde eindrehen. Anschließend den Stift von Schraube (1) in das Sackloch des Bügels einführen. Dabei auf den richtigen Sitz der Gummimanschette (D) achten. Bei mir ging das ganz leicht, sie rutschte beim Einführen in die richtige Position. Durch Verdrehen den Bügel in die richtige Lage bringen, bis die Bremssattelschraube(5) durch die Hülse hindurch mit dem Bügel verschraubt werden kann.
Drehmoment für die Beremssattelschrauben ist 25 - 30 Nm. 
Bremssattel nach der Montage










Bild 11: Bremssattel nach der Montage
Den montierten Bremssattel am Gabelrohr mit den Halteschrauben (2) und (4) anbringen . Anschließend mit Hilfe eines Drehmomentschlüssels die Halteschrauben (2)  und (4) auf 25-30 Nm anziehen. Die Bremssattelschrauben (1) und (5) sollen mit 30-40 Nm Drehmoment angezogen werden.
Bremsschlauch mit der Hohlschraube (7) und zwei neuen Dichtringen anschließen.

Nachdem  auch der andere Bremssattel entsprechend instandgesetzt wurde, Bremssystem mit Hydraulikflüssigkeit befüllen und entlüften.